Vergessene Welten - blinde Flecken

Ausstellung in der Stiftskirche 4. Okt. bis 10. Nov. 2026

"Wir beschäftigen uns viel zuviel mit uns selbst." So könnte man es auch ausdrücken, was Ladislaus Ludescher sowohl in einer umfangreichen Doktorarbeit wie auch in einer übersichtlichen Präsentation auf Tafeln zeigt. Oder anders ausgedrückt: Die Ausmaße der Probleme im "globalen Süden", also in einem guten Teil der Welt bekommen wir gar nicht richtig mit. Den Hunger zum Beispiel.

Ausgehend von dem Buch „Das größte lösbare Problem der Welt“ von Dr. Ladislaus Ludescher wurde die Arbeitsgruppe „Zusammen in Vielfalt“ des Kirchenbezirks Bretten-Bruchsal auf die Ausstellung „Vergessene Welten und blinde Flecken“ aufmerksam. In seinem Buch und der Ausstellung stellt der
Autor mit einer wissenschaftlichen Langzeitstudie die These auf, dass das Thema „Hunger“ tatsächlich lösbar wäre, wenn es nur genügend Aufmerksamkeit bekäme.
Die Ausstellung analysiert die mediale Berichterstattung zu diesem Thema. Durch die Auswertung von etwa 6.000 Sendungen der „20 Uhr-Tagesschau“ aus den Jahren 1996 und 2007-2022 zeigt Ludescher auf, dass unsere mediale Welt einen blinden Fleck aufweist, wenn es sich um den
Globalen Süden (sogenannte Dritte Welt- bzw. Entwicklungsländer) handelt.
Die verheerende mangelnde Nahrungsmittelversorgung in Ostafrika und der Tschadsee-Region, durch die Ende 2017 fast 37 Mio. Menschen vom Hungertod bedroht waren, und die der UNNothilfekoordinator Stephen O’Brien als größte drohende humanitäre Krise seit der Gründung der
Vereinten Nationen bezeichnet hatte, wurde in unseren Medien kaum beachtet. Auch der Jemen, wo 2017 die größte jemals in der Geschichte gemessene Cholera-Epidemie ausbrach, gehört zu den medial vergessenen Welten, denen keine Sondersendungen gewidmet werden.
Die in der Studie gesammelten Daten zeigen deutlich, dass die Verteilung der Beiträge geografisch sehr unausgewogen ist. Während dem sogenannten Westen weit überproportional hohe Aufmerksamkeit zufällt, werden zahlreiche Staaten des Globalen Südens an den Rand gedrängt oder teilweise sogar ignoriert. In der ersten Jahreshälfte 2022 wurde in der „Tagesschau“ zum Beispiel
über das britische Königshaus umfangreicher berichtet als über den globalen Hunger und dem Sport mehr Sendezeit eingeräumt als allen Staaten des Globalen Südens zusammen.
Die Wanderausstellung „Vergessene Welten und blinde Flecken“ wird vom 4. Oktober bis zum 10. November 2026 in der Stiftskirche (Amtsgasse 3, 75015 Bretten) zu sehen sein. Zum Start gibt es am 04. Oktober um 17 Uhr einen Ökumenischen Gottesdienst zu Erntedank mit Pfr. Fritjof Ziegler und Pfr. Harald Maiba. Darin wird Pfr. Gunter Hauser zur Ausstellung informieren und anschließend noch
für Themengespräche zur Verfügung stehen.
Und am Donnerstag, den 08. Oktober organisiert die Arbeitsgruppe „Zusammen in Vielfalt“ um 19 Uhr einen Vortragsabend mit dem Autor Dr. Ladislaus Ludescher von der Universität Heidelberg ebenfalls in der Stiftskirche (per Live-Schalte).
Die Ausstellung hat keine regelmäßigen Öffnungszeiten. Ein Besuch kann auf folgender Website gebucht werden:
www.ev-kirche-bretten.de/hunger
Die Ausstellungstafeln sowie die Studie selbst können unter folgender Adresse kostenlos eingesehen und heruntergeladen werden: www.ivr-heidelberg.de.
Ansprechperson

Gunter Hauser

Arbeitskreis "Zusammen in Vielfalt" (Kirchenbezirk)

inhaltliche Informationen