Engagierte diskutierten über Wege zu mehr Frieden, Gerechtigkeit und Sicherheit

Studientag Friedenstag in Karlsruhe

Karlsruhe, (11.07.2026). Rund 70 Engagierte nutzten am Samstag, 11. Juli, einen Studientag Friedensarbeit, um in Karlsruhe mit Fachleuten sowie Kirchenvertreterinnen und -vertretern über die Weiterentwicklung kirchlicher Friedensarbeit zu diskutieren. Dabei besaßen die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich in zehn Workshops mit einzelnen Thematiken eingehender auseinanderzusetzen. Eingeladen zu der Veranstaltung hatte die Evangelische Akademie Baden gemeinsam mit der Landeskirche.

Stephen Lakkis
Stephen Lakkis wurde auf dem Studientag Friedensarbeit am 11. Juli 2026 offiziell als Friedensberauftragter der Evangelischen Landeskirche in Baden eingeführt.

Quelle: ekiba / Stefan Herholz - eingebettet von www.ekiba.de

Studientag Friedensarbeit am 11. Juli 2026
Rund 70 Engagierte nahmen am Studientag Friedensarbeit am 11. Juli 2026 in Karlsruhe teil.

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Podiumsgespräch beim Studientag Friedensarbeit
Unter der Moderation von Melanie Hussak (rechts) standen (von links) Reverend Julia Gaughan von der UCC, Friedensbeauftragter Stephen Lakkis und Landesbischöfin Heike Springhart dem Plenum für einen abschließenden Austausch zur Verfügung.

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„Wunden bleiben, auch in der Ewigkeit. Diese Erkenntnis ist die erste Lektion für die Friedensarbeit“, sagte Stephen Lakkis, der in der Andacht zu Beginn des Tages offiziell als Friedensbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Baden eingeführt wurde. Deswegen sei es aus seiner Sicht entscheidend zu lernen, „wie wir leben können mit den Wunden, die wir tragen und die wir zugefügt haben“.  Es brauche die Hoffnung auf Heilung, und es gebe sie auch. „Aber Heilung darf nicht falsch verstanden werden; Wunden bleiben.“ Durch Heilung verändere sich die Bedeutung der Wunde, weil sie nicht mehr Zeichen des Hasses oder des Schmerzes sei.

„Ungerechtigkeit ist selbst eine Form der Gewalt"

In seiner Begrüßung und Einleitung zum Studientag Friedensarbeit betonte Stephen Lakkis, dass „wahrer Realismus in Gesprächen über die Ethik von Kriegen und Konflikten immer mit den Stimmen der Opfer beginnen müsse und mit den Erfahrungen derjenigen, die vor Ort in der Friedensarbeit tätig sind“. Zudem betonte er, dass Frieden, Gerechtigkeit und Sicherheit in Zusammenhang zu sehen seien. „Denn Ungerechtigkeit ist selbst eine Form der Gewalt, und die Aufrechterhaltung von Ungerechtigkeit wird immer wieder damit gerechtfertigt, dass sie notwendig sei, um die Sicherheit anderer zu gewährleisten.“
 
Gewalt können auch nicht als Ultima Ratio gelten, da sie „von der Entscheidung der Anwender von Gewalt statt ihrer Opfer“ abhänge. „Unsere Aufgabe besteht darin, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen, statt Wege zu finden, wie wir die weitere Verwendung von tödlicher Gewalt rechtfertigen und gutheißen können“, sagte Lakkis. Es gibt auch ein Scheitern in der Friedensarbeit, die zu Gewalt in bestimmten Fällen führt. Die Gewalt bleibe dabei ein Übel. Deswegen sei beim Blick auf die internationalen Krisen und Kriege umso nötiger neben der Verteidigung die Entwicklungshilfe und die Diplomatie zu stärken. Zwei Felder, in denen Kirchen durch ihre ökumenischen Netzwerke und ihr politisches Engagement weltweit wichtige Partnerinnen seien. Zudem mahnte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Baden in seinem Impuls zum Start in den Tag an, dass es keine Fokussierung auf die Gefahr durch Atomwaffen geben durfte, durch die Gefahr durch die moderne, konventionelle und KI-gesteuerte Waffensysteme verharmlost werde.

Vision des „Gerechten Frieden“ prägt Arbeit der UCC

Einen Blick auf „Das Engagement der Kirche für den Frieden in autoritären Kontexten“ richtete der Impuls von Reverend Chris Moore. Der Geistliche der US-amerikanischen United Church of Christ (UCC) musste zwar aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig auf seinen Besuch in Baden verzichten. Doch Lisa Wolfe, ebenfalls Mitglied der UCC und ökumenische Mitarbeiterin der Ekiba, verlas seine Keynote. In ihr zitierte Moore Martin Luther King, der betont hatte, dass der Kampf für den Frieden und der Kampf für Gerechtigkeit untrennbar miteinander verbunden seien. „Daher ist meiner Meinung nach die eigentliche Frage nicht, wie wir uns für Frieden einsetzen, sondern wie wir uns für Gerechtigkeit einsetzen – jene Art von Gerechtigkeit, die alle Menschen als nach Gottes Ebenbild geschaffen und der Würde und des Respekts würdig ansieht“ , schreibt Moore. Deswegen sei in der UCC auch die Vision des „Gerechten Frieden“ entwickelt worden, die seit drei Jahrzehnten die Arbeit der UCC präge.
 
Mit diesen Gedanken im Gepäck widmeten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Anschluss in zehn Workshops verschiedenen Thematiken wie beispielsweise der Friedensarbeit vor Ort, dem Wehrdienst, Rüstungsexporten, den Kriegen im Nahen Osten und der Ukraine, Rechtsextremis und KI und autonomen Waffensystemen. 
 
Der Wunsch nach verstärkter Vernetzung mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Friedensgruppen, stetige Informationen über aktuelle Friedensarbeit an die Gemeinden und eine Thematisierung von Frieden in Bildungseinrichtungen wurde nach dem abschließendem Plenum  mit Landesbischöfin Heike Springhart, Reverend Julia Gaughan von der UCC und dem Friedensbeauftragten formuliert.
 
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