Trauer um Prof. Dr. Wolfgang Herbst

- 24.06.2026 - 

Früherer Rektor der Heidelberger Hochschule für Kirchenmusik gestorben

Karlsruhe, (24.06.2026). Mit großer Trauer und Dankbarkeit für sein Wirken nimmt die Evangelische Landeskirche in Baden von Prof. Dr. Wolfgang Herbst Abschied, der am 8. Juni im Alter von 93 Jahren in Heidelberg verstorben ist. Der Kirchenmusiker, Theologe und Liturgiewissenschaftler war von 1976 bis 1998 Rektor der Heidelberger Hochschule für Kirchenmusik.

Prof. Dr. Wolfgang Herbst

Quelle: Klaus Meyer - eingebettet von www.ekiba.de

Die Wechselwirkungen von Musik und Kirche, von Kunst und Liturgie waren unter anderem seine bevorzugten Themen. Seine liturgiegeschichtlichen und hymnologischen Veröffentlichungen seien bis heute Standardwerke, so Kirchenmusikdirektor Bernd Stegmann, von 2006 bis 2018 selbst Rektor der Hochschule für Kirchenmusik. 
„Dass sich Wolfgang Herbst in seiner musikologischen Forschung nicht lediglich aufs Sichten und Sammeln beschränkte, sondern immer auch das Zeitspezifische in den Blick nahm, wird besonders deutlich im kleinen Büchlein Stille Nacht! Heilige Nacht! Die Erfolgsgeschichte eines Weihnachtsliedes“, würdigt er das Wirken des Verstorbenen.
 
Ein weiteres großes Anliegen von Wolfgang Herbst war die Aufarbeitung der Rolle von Kirchenmusik während der NS-Zeit. „In seinen zahlreichen Essays und Vorträgen zum Thema ging es ihm nicht nur um die Offenlegung der Verstrickungen und den Opportunismus von Protagonisten der sogenannten kirchenmusikalischen Erneuerungsbewegung, sondern besonders auch um deren späteres Schweigen und unhinterfragte Akzeptanz in der Nachkriegszeit.“ 
 
1933 in Chemnitz geboren, studierte Wolfgang Herbst zunächst Theologie in Leipzig, Heidelberg und Erlangen und promovierte zum Dr. theol. im Fach Kirchengeschichte. Daran schloss sich ein Kirchenmusikstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Frankfurt am Main an. Seine ersten Kantoren- und Organistenstellen führten ihn an die St.-Cyriakus-Kirche in Frankfurt (1956–1961) und die St.-Martini-Kirche in Bremen (1961–1967), worauf sich die anspruchsvolle Tätigkeit am Braunschweiger Dom (1968–1975) anschloss. Von 1976 bis 1998 wirkte er dann als Professor für künstlerisches Orgelspiel und Liturgik an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg und war auch deren Rektor. Daneben versah er über viele Jahre den Organistendienst an der Heidelberger Providenzkirche. 
 
Als Präsident der Direktorenkonferenz Kirchenmusik (1984–1989) hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass die ehemaligen Kirchenmusikschulen und -institute sich deutlich professionalisierten und den Rang von Hochschulen erhielten, so auch die Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg. 
„Dass diese staatliche Anerkennung und die Erhebung zur Hochschule überhaupt zustande kam, ist wesentlich sein Verdienst“, betont der derzeitige Rektor der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg, Prof. Dr. Martin-Christian Mautner. Es seien Jahre intensiver Arbeit und unablässigen Austauschs mit staatlichen und kirchlichen Stellen gewesen. „Dies alles hat erst dazu geführt, unsere Hochschule so zu formen, wie sie sich heute präsentiert: als allgemein geschätzte Ausbildungsstätte von bestem Renommée und als wesentliche Säule des Kulturbetriebs Heidelbergs und der Rhein-Neckar-Region.“
 
Die Trauerfeier findet am Samstag, 27. Juni 2026, um 9 Uhr in der Kapelle des Bergfriedhofs Heidelberg statt.
 
  

Alexandra Weber

Stellvertretende Pressesprecherin